Die Jahre in der Wolfsgrub

Die Wolfsgrub als idealer Arbeitsort

Käthe Mohr mit ihrer Tochter Eva

Käthe Mohr mit ihrer Tochter Eva

In der ländlichen Abgeschiedenheit des „Einödshofs“ in der Wolfsgrub bei Rottach am Tegernsee fand Mohr ideale Arbeitsbedingungen vor und verfasste in rascher Folge eine ganze Reihe von Werken.

Konzentration auf das Theater, Mohrs Durchbruch

1920 war in München Mohrs erster Roman Frau Marie’s Gast erschienen, der Erfolg war gering. Hiernach verlagerte er seine literarische Arbeit auf das Feld des Dramas. In den folgenden sechs Jahren wurden zehn Theaterstücke Mohrs veröffentlicht, die zum großen Teil auch in dieser Zeit zur Aufführung kamen. Im März 1922 gelang Mohr mit der am Münchner Residenztheater uraufgeführten Komödie Improvisationen im Juni der Durchbruch. Das Stück wurde am Residenztheater weitere 50-mal gegeben und eroberte dann die Bühnen ganz Deutschlands: es wurde bis Ende 1923 in Dresden, Köln. Hamburg, Leipzig Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf gespielt. Im Februar 1923 gelangte es auch am Deutschen Theater in Berlin zur Aufführung. Zu dieser Zeit  verbrachten Max und Käthe Mohr viel Zeit in Berlin; es entwickelte sich eine herzliche Freundschaft mit dem Schauspieler Heinrich George, der die Rolle des Improvisators in Mohrs Komödie übernommen hatte. Der große Erfolg der Improvisationen im Juni war für Mohr allerdings finanziell wenig einträglich, da er in die Zeit der Hyperinflation fiel, sodass ihm von den Aufführungshonoraren wenig übrig blieb.

Vier weitere Stücke

Mohr beim Holzhacken

Mohr beim Holzhacken

In den  Jahren 1923 und 1924 schrieb Mohr die Stücke Das gelbe Zelt (Schauspiel), Sirill am Wrack (Komödie), Der Arbeiter Esau (Schauspiel) und Die Karawane (Schauspiel). Diese wurden z.T. auf mehreren Bühnen gleichzeitig uraufgeführt, etwa in Köln, Frankfurt oder Stuttgart, ihr Erfolg reichte allerdings an den der Improvisationen im Juni bei weitem nicht heran. Der Verlag Georg Müller in München wurde Mohrs Hausverlag, in dem seine Theaterstücke und später auch einige Romane erschienen.

Mohrs zweiter großer Erfolg

Ein großer Erfolg war dann wieder das Schauspiel Ramper, das im Jahre 1925 in vier Städten am gleichen Abend uraufgeführt wurde. Auch Ramper wurde am Deutschen Theater in Berlin aufgeführt. Hier verkörperte der Schauspieler Paul Wegener die Titelfigur kongenial und trat mit dem Stück eine Gastspieltournee durch ganz Deutschland an. Der Erfolg kulminierte in einer Stummfilmfassung unter der Regie von Curt Braun, ebenfalls mit Wegener in der Titelrolle, die 1927 in die Kinos kam.

Geburt der Tochter, Reisen nach Berlin, Kontakte zu Literaten

Mohr mit seiner Tochter Eva

Mohr mit seiner Tochter Eva

Die Wolfsgrub bot in ihrer Einsamkeit zum Schreiben, die Mohr dort gesucht hatte, die Nähe zur Natur und zu den von Mohr so geliebten Alpen. 1926 wurde Mohrs Tochter Eva geboren. Dennoch begab sich Mohr in der Folgezeit immer häufiger allein auf Reisen nach Berlin. Hieran lässt sich sein ambivalentes Verhältnis zur Stadt erkennen. Einerseits brauchte und suchte er die ländliche Abgeschiedenheit im Haus in der Wolfsgrub, das er einmal als „Einödshof“ bezeichnete. Auf der anderen Seite benötigte er für sein Werk aber auch die Anregungen der Großstadt, die Kontakte, die er dort knüpfen konnte. Er unterhielt Beziehungen zu einer Reihe bekannter Schriftsteller wie Thomas Mann, Bruno Frank, Oskar Maria Graf, Alexander Lernet-Holenia und Carl Zuckmayer sowie Schauspielern wie den bereits erwähnten Heinrich George und Paul Wegener. Eine Sonderstellung nahm dabei seine Freundschaft zu D.H. Lawrence ein. Diese Kontakte schlugen sich in einem interessanten, 2011 erstmals edierten Briefwechsel nieder.  In gewisser Weise waren Mohrs Berlinreisen darüber hinaus wohl auch Ausdruck des Freiheitsdrangs und des Hangs zur Existenz als „Tramp“, die er schon in seiner Jugend gehabt hatte.

Romanautor

Nach Ramper gelang es Mohr nicht mehr, große Erfolge im Theaterbereich zu erzielen. Er verlegte sich deshalb zunehmend auf das Schreiben von Romanen, obwohl er vereinzelt weiterhin Theaterstücke sowie Novellen, Erzählungen und Essays veröffentlichte. Den Anfang machte der satirische Roman Venus in den Fischen, der 1928 bei Ullstein in Berlin erschien, gefolgt von Die Heidin (1929), der D.H. Lawrence gewidmeten Freundschaft von Ladiz (1931) und der Frau ohne Reue (1933). All diesen Werken war eine begrenzte Resonanz beschieden, was – auch im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 – zunehmend zu finanziellen Nöten führte. Auch der Versuch, mit der Publikation kleinerer Werke, wie der Novelle Fröhliches Ende eines Pessimisten (1931) oder dem Hörspiel Bergkristall (1932), Geld zu verdienen konnte die Probleme nicht nachhaltig lindern. In dieser Zeit fand Mohr vor allem in der Freundschaft zu D.H. Lawrence Ablenkung und Inspiration.