Herkunft und Jugend

Mohr als Kind (um 1899)

Mohr als Kind (um 1899)

Familie, Schulausbildung

Max Ludwig Mohr wurde am 17.10.1891 in Würzburg geboren. Er war das dritte Kind des jüdischen Malzfabrikanten Leon Mohr (1855-1910). Die Familie wohnte in einem Haus in der Rottendorferstr. 1, das heute nicht mehr existiert, da es bei einem Bombenangriff am 16.3.1945 vollständig zerstört wurde. Auf dem Königlich Neuen Gymnasium erhielt Mohr eine humanistische Ausbildung. Seine Stärken lagen in den Fächern Mathematik/Physik und Deutsch, er war aber auch ein hervorragender Turner. In Französisch und Geschichte waren seine Leistungen dagegen eher mittelmäßig.

Suche nach Freiräumen

Schon früh entwickelte Mohr eine Vorliebe für die Alpen und ging zahlreiche Bergtouren, eine davon (1909) ohne seine Eltern zu benachrichtigen, was zu einer Vermisstenanzeige durch seinen Vater führte. Mohr suchte in den Bergen unter anderem die Möglichkeit Grenzerfahrungen zu machen. Seine Liebe zu den Alpen blieb ihm ein Leben lang erhalten, ebenso die Neigung zu einem Leben als „Tramp“ abseits familiärer Verpflichtungen und das Streben nach Freiräumen zur Persönlichkeitsentfaltung.

Mohr als Gymnasiast

Mohr als Gymnasiast

Musik

Mohr war nach Aussagen von Lehrern ein guter Bratschist und spielte auch später in seiner Münchner Zeit noch, musste das Musizieren allerdings dann wegen einer Versteifung des linken Zeigefingers reduzieren. Über die Ursache hierfür lässt sich keine vollständige Klarheit erzielen, am wahrscheinlichsten ist, dass er sich den Finger auf einer seiner Klettertouren verletzte.

Abitur, Tod des Vaters

1910 bestand Mohr das Abitur. Im selben Jahr starb im Alter von nur 55 Jahren sein Vater. Da Irma Mohr, Max‘ älteste Schwester bereits 1889 gestorben war und seine Schwester Hedwig mit ihrem Mann in Augsburg lebte, wurde Max damit zeitweise zur einzigen familiären Bezugsperson für seine Mutter in Würzburg.

Studienbeginn, Wehrdienst als „Einjährig-Freiwilliger“

Im Wintersemester 1910/11 nahm Mohr an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg das Studium der Humanmedizin auf. Er hörte die Vorlesung „Knochen-, Bänder- und Muskellehre“ bei Prof. Dr. Johannes Sobotta (1869-1945). Fast gleichzeitig meldete sich Mohr zum Dienst als „Einjährig-Freiwilliger“ und trat in das 2. Feldartillerie-Regiment „Horn“, 1. Batterie ein; er beendete den Dienst als „überzähliger Sanitäts-Gefreiter“, woraus sich der medizinische Schwerpunkt seiner Aufgaben ergibt.

Studium in München, Reise in den Orient

In Syrien

In Syrien

Im Sommersemester 1911 setzte Mohr sein Medizinstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität München fort. In München wohnte er im ersten Semester zu Untermiete auf der Theresienhöhe, später dann in der Ainmillerstraße. Sein Studium nahm einen ruhigen Verlauf und wurde nur durch ein Urlaubssemester unterbrochen, das Mohr im Nahen Osten, v.a. in Beirut, aber auch in Ägypten verbrachte.  Auf dieser Reise hatte Mohr, wie er Jahrzehnte später berichtete, eine Liebesaffäre mit einer russischen Jüdin in Damaskus. Ein von Mohr behaupteter Abstecher nach Persien hat wohl so nicht stattgefunden.

Studieninhalte

Mohr war ein recht fleißiger Student und belegte pro Semester (mit Ausnahme des Sommersemesters 1913) mindestens 30 Wochenstunden, von dessen Inhalt folgender Auswahlauszug aus seinem Studienprogramm eine Vorstellung vermitteln mag:

SS 1911

Mohrs Wohnhaus in der Ainmillerstr., München

Mohrs Wohnhaus in der Ainmillerstr., München

  • Anatomie am Lebenden und ihre Anwendung in der bildenden Kunst.
  • Einführungskurs zur experimentellen Psychologie

WS 1911

  • Experimentalphysik II
  • Übungen in litterarischer Kritik
  • Logik, Erkenntnistheorie nebst  einer Einführung in die Philosophie
  • Histologie
  • Deskriptive Anatomie

SS 1912

  • Organische Experimentalchemie
  • Zoologie II
  • Experimentalpsychologie
Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München

Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München

WS 1912

  • Allgemeine Botanik

WS 1913

  • Geburtshilflich-gynäkologische Klinik
  • Medizinische Klinik (Innere Medizin)
  • Pharmakologie

SS 1914

  • Chirurgische Klinik
  • Augenklinik
  • Psychiatrische Klinik