Lyrik

Sonette nach durchlesenen Nächten im Unterstand/Sonette des Infanteristen

Neben ersten unveröffentlichten Dramenversuchen verfasste Mohr am Anfang seiner Autorenkarriere vor allem Gedichte. Dazu fühlte er sich durch seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg angeregt. Neben den Grabenkämpfen fanden in seinen Texten das Leiden vieler Kameraden und der von Gefahr und Tod bestimmte Fronteinsatz Widerhall, wie im Sonett Spinoza, das im Nachlass erhalten ist:

Mohr im 1. Weltkrieg

Mohr im 1. Weltkrieg

Spinoza

Wir keuchen, wenn wir in die Stellung eilen,

Denn jedes Säumen kann das Grab bedeuten;

Zwei Jahr‘ lang schon ist unser Glockenläuten

Und Orgel und Gesang Granatenheulen;

Und kahler Leichenhügel lange Meilen

Sind unsere Gärten, dahin wir hinschreiten,

Dass unser Blick allmählich starr sich weiten

Und stumpfen muß. Wird nimmermehr verheilen

Der große Schmerz: Was sag‘ ich? Nimmermehr…

Viel Lichterglanz erstrahlet in dem Dunkel

Der tiefsten Nacht und Deines Sterns Gefunkel

Verlöschet nie und leuchtet ewige Währ…

Und welche Helden trifft man dort zu Gästen!

Lenz, Büchner, Puschkin… und die anderen Besten!


(Sonett zitiert nach Carl-Ludwig Reichert, Lieber keinen Kompaß, als einen falschen, München 1997, p 21).

Aus den beiden Gedichtsammlungen Sonette nach durchlesenen Nächten im Unterstand und Sonette des Infanteristen wurde 1917 eine Zusammenstellung Sonette im Unterstand hergestellt, die als Privatdruck in Berlin beim Buchverlag der Morgenröte G.m.b.H. erschien. Die beiden Sammlungen sind im Nachlass als Manuskripte erhalten.

Die sieben Sonette vom neuen Noah (Nachdruck in der Neuen Rundschau)

Die sieben Sonette vom neuen Noah (Nachdruck in der Neuen Rundschau)

Die sieben Sonette vom neuen Noah

Nach der Privatdruck-Veröffentlichung publizierte Mohr jahrelang keine Lyrik mehr. Erst im Jahre 1932 kam im Verlag der Bücherfreunde, Chemnitz, ein schmaler Band Die sieben Sonette vom neuen Noah heraus, der (von einem Nachdruck in der Neuen Rundschau 1933 abgesehen) Mohrs einzige weitere Lyrikpublikation blieb. Die Lyrik nimmt also eher eine Randposition in Mohrs Werk ein, wenn auch die ersten beiden Gedichtsammlungen als einer der Ausgangspunkte seines Schreibens von Bedeutung sind.