Medizinische Schriften

Mohr als Fachautor

Die 2. Auflage der Rheumatiker-Fibel

Die 2. Auflage der Rheumatiker-Fibel

Mohr setzte sein Schreibtalent ganz überwiegend im Bereich schöngeistiger Publikationen ein. Allerdings schrieb er in der Nachkriegszeit zwei längere medizinische Abhandlungen. Neben seiner Dissertation ist dies eine weitere medizinische Publikation, die Rheumatiker-Fibel, die recht  erfolgreich war und in den 1920er Jahren fünf Auflagen erlebte.

Dissertation

An seiner Dissertation, Erfahrungen mit der Fiebertherapie bei kindlicher Gonorrhoe, arbeitete Mohr ab Oktober 1918, die Promotion an der Ludwig-Maximilians-Universität München erfolgte „cum laude“ am 18.2. 1919. Eine gewisse Nähe zur Pädiatrie behielt Mohr auch später im Leben bei und bezeichnete diese noch in einem Brief vom 14.7. 1935 als „schönste Fachrichtung“. Aus dem Thema der Dissertation lässt sich auch ableiten, dass Mohr Interesse an einer praktischen Tätigkeit als Arzt hatte. Über den Inhalt der nicht publizierten, sondern nur als Typoskript existierenden Arbeit lässt sich leider nichts mehr sagen, da sie verschollen ist.

Rheumatiker-Fibel

1921 erschien im Verlag Volksmedizin GmbH, München, die erste Auflage der Rheumatiker-Fibel, ein populärwissenschaftliches Büchlein von 175 Seiten und 16 Seiten Anhang, das Mohr zusammen mit dem praktischen Arzt Dr. E. Singer verfasst hatte. Die Identität – und die tatsächliche Existenz – von Dr. Singer ist allerdings ungeklärt. Bei der Fibel handelt es sich laut Untertitel um ein „kurz gefaßtes Lesebuch vom Rheumatismus, seinem Entstehen, seinem Wesen und seiner Heilung“. Da ein umfangreicher, Rheumaapparaturen betreffender Werbeanhang der Firma Kreuzversand in München enthalten ist, ist wohl davon auszugehen, dass es sich um ein Auftragswerk für diese Firma handelt, die damit die Werbung für ihre Produkte befördern wollte.

Inhalt und Bedeutung

Illustration aus der Rheumatiker-Fibel

Illustration aus der Rheumatiker-Fibel

Die in populärem Sprachduktus gehaltene und mit zahlreichen Bildern versehene Publikation enthält neun Kapitel: 1. Verbreitung des Rheumatismus, 2. Was ist Rheumatismus? 3. Muskelrheumatismus, 4. Neuralgie, 5. Gelenkrheumatismus, 6. Gicht, 7. Heilung, 8. Gebt mir die Macht, ein Fieber zu erzeugen und ich will jede Krankheit heilen, 9. In der Praxis. Auch heute noch ernstzunehmende, wissenschaftlich haltbare und hilfreiche Aussagen werden mit populären Weisheiten (Vorwort S. 3: „(…) Die gute Laune aber, eine Eigenschaft, die so wertvoll ist, daß man sie mit Gold nicht kaufen kann, ist der wahre Gradmesser einer rotbäckigen, stämmigen Gesundheit. (…)“) und Beispielen aus der Praxis (S. 44: „(…) Ich kannte einen Tischlermeister, der jederzeit gut gelaunt war und in seiner Werkstätte nur singend und pfeifend angetroffen wurde (…)“) vermischt. Insofern kann das Büchlein heute nicht nur zur Information über den damaligen Stand der Rheumatologie dienen, sondern ist auch ein interessantes mentalitätsgeschichtliches Dokument, das gelegentlich schmunzeln lässt. Das gilt ebenso für einen Teil der Bilder, besonders im Werbeanhang der Firma Kreuzversand, wo der neueste Stand der Technik in puncto Thermalbadapparaturen (meist ragt nur der Kopf des Patienten aus einem großen Schwitzkasten hervor) und Kopfmasken präsentiert wird. Ob diese Art der Behandlung auch für den Patienten lustig war, steht freilich auf einem anderen Blatt. Zieht man diese zeitbedingten Dinge – die in anderer Weise zweifellos auch Teil heutiger populärer Medizinratgeber sind – ab, so bleibt in der Substanz ein brauchbares, gut geschriebenes und hilfreiche Ratschläge für ein breites, medizinisch nicht vorgebildetes Publikum enthaltendes Büchlein übrig. Das sah offensichtlich auch die Zielgruppe so – die recht zahlreichen Auflagen zeugen davon.