Mohr im 1. Weltkrieg

Mohr in Uniform 1915

Mohr in Uniform 1915

Kriegsdienst

Mohrs Studienzeit war bis 1914 unbeschwert. Der Eintritt Deutschlands in den 1. Weltkrieg am 1. August 1914 unterbrach sein Studium jedoch jäh. Schon zwei Wochen nach Kriegsbeginn wurde Mohr zur ArtillerieMunitionskolonne 2 der Bayerischen Ersatz-Division eingezogen und nach 5 Tagen zum „überzähligen Sanitäts-Unteroffizier“ befördert. Gute zwei Monate später wurde er zum Feldunterarzt ernannt, im Juli 1915 zum II. Bataillon des Bayerischen ReserveInfanterieRegimentes 15 aus Nördlingen versetzt und in der Folge in erster Kampflinie an der Westfront eingesetzt.

Tapferkeit

Mohr zeichnete sich, vor allem im Verlauf des Jahres 1916, mehrfach durch große Tapferkeit aus. Unter feindlichem Beschuss barg bzw. rettete er Kameraden, was in Dokumenten, die mit ihm verliehenen Auszeichnungen in Verbindung stehen, teilweise dramatisch geschildert wird. Mohr selbst beschrieb 1920 auf eine Anfrage des Kriegsarchivs München hin die Geschehnisse, die zur Verleihung der silbernen Tapferkeitsmedaille an ihn führten so (Zitat wie alle anderen Dokumentenzitate auf dieser Seite nach Carl-Ludwig Reichert, Lieber keinen Kompaß, als einen falschen, München 1997, s 16 ff.): „(…) Unterarzt d.R. (…) (auf Haudiamont bei Verdun. Hilfeleistung in vorderer Sturmlinie, unter anderem Zurücktragen eines verwundeten Majors, nachdem meine 3 Krankenträger gefallen waren, allein Weitertragen des Schwerverwundeten etc., etc. (…))“. Und in einer Note von 1916, betreffend den Vorschlag zur Verleihung der silbernen Militär-Verdienstmedaille, heißt es: „(…) In Grimaicourt z.B. schlug am 8.4. 16 bei schwerer Beschießung eine Granate in einen Unterstand und tötete 4 Mann, während weitere 5 verwundet waren. Mohr begab sich nun von seinem am Ende des Dorfes liegenden Verbandplatz zum zerstörten Unterstand und versorgte hier trotz Fortdauer der Beschießung, also unter höchster eigener Gefahr, die Verwundeten und rettete so den 5 Leuten das Leben; sie wären ohne Mohr unrettbar verloren gewesen. (…)“. Neben den bereits genannten Orden wurden Mohr im Kriegsverlauf das Preußische Eiserne Kreuz I. und II. Klasse und das Militärische Verdienstkreuz mit Schwertern verliehen.

Unterwegs im 1. Weltkrieg (Mohr auf dem Pferd vorne rechts)

Unterwegs im 1. Weltkrieg (Mohr auf dem Pferd vorne rechts)

Erste Schreibversuche

In die Zeit des ersten Weltkrieges fallen erste Schreibversuche Mohrs. Neben drei nicht veröffentlichten Theaterstücken, die seine ersten Versuche in diesem Genre darstellen, schrieb er vor allem Lyrik. In den Sonetten nach durchlesenen Nächten im Unterstand und den Sonetten des Infanteristen (später als Zusammenstellung unter dem Titel Sonette im Unterstand als Privatdruck publiziert) verarbeitete er seine unmittelbaren Kriegserlebnisse und die Grabenkämpfe.

Weitere Beförderung, Verwundung

Im Juni 1916 beförderte man Mohr zum Feldhilfsarzt der Reserve. Kurz danach wurde er vermutlich schwer verwundet, wie sich aus der Gewährung eines Urlaubs in Bad Reichenhall „zur Wiederherstellung der Gesundheit“ schließen lässt. Insgesamt wurde Mohr im 1. Weltkrieg viermal verwundet. Dies erfahren wir aus einer kurzen Autobiographie, die Mohr 1925 veröffentlichte.

Mohr (rechts) mit einem Militärarztkameraden

Mohr (rechts) mit einem Militärarztkameraden

Abschluss des Medizinstudiums

Anfang 1917 nutzte Mohr die Gelegenheit, an einem dreimonatigen Kurs für Medizinstudenten in München teilzunehmen. Neben Vorlesungen über Chirurgie und Gynäkologie hörte Mohr dabei auch Psychiatrie. Hieran schloss sich das medizinische Staatsexamen an, in dem u.a. Chirurgie, Gynäkologie und innere Medizin Thema waren. Am 24.5. 1917 bestand Mohr das Examen mit der Note „gut“. Dabei wurde ihm sein Kriegseinsatz als Praktisches Jahr angerechnet. Mohr erhielt die Approbation als Arzt im Gebiet des Deutschen Reiches. Bei Rückkehr zu seinem Regiment wurde er am 31.7. 1917 zum Assistenzarzt der Reserve befördert.

Englische Kriegsgefangenschaft

Im September 1917 geriet Mohr in Flandern in englische Kriegsgefangenschaft. In einem amtlichen Dokument „Feststellungen über die Gefangennahme“ wurde dazu bemerkt: „Ass. Arzt d.R. Mohr war diensttuender Arzt (…) als am Morgen des 20.9.17 bei Ypern (Flandernschlacht) der mit schwerstem Artilleriefeuer und Nebelbomben vorbereitete infant. Angriff der Engländer einsetzte. Der Feind drang links und rechts des Verbandplatzes ein und fasste diesen im Rücken. Die Leute in seiner Nähe wurden z.T. getötet, z.T. verwundet. Es steht fest, dass Ass. Arzt Mohr unverschuldet in Gefangenschaft geriet.“ Kurz darauf meldete das Rote Kreuz seinen Aufenthalt im Gefangenenlager bei Southhampton, wo Mohr knapp ein Jahr verbrachte, bevor er am 26.9. 1918 gegen englische Gefangene in Aachen ausgetauscht wurde.