Nachkriegszeit, Umzug in die Wolfsgrub

Rückkehr nach München, Promotion

Haus in der Siegfriedstr. in München, in dem Mohr 1919/20 wohnte und seine Praxis betrieb

Haus in der Siegfriedstr. in München, in dem Mohr 1919/20 wohnte und seine Praxis betrieb

Bereits neun Tage nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, am 4.10.1918, zog Mohr in die Königinstr. in München und begann an seiner Dissertation – neben einem Buch über Rheumatismus die einzige medizinische Schrift Mohrs – zu schreiben. Ob er währenddessen auch als Arzt praktizierte, ist unklar. Im Januar 1919 zog er in die Siegfriedstraße um und warb in Münchener Adressbüchern für seine Praxis, sodass frühestens ab diesem Zeitpunkt seine ärztliche Tätigkeit belegbar ist. Am 18.2. 1919 wurde er an der Ludwig-Maximilians-Universität mit der Note „cum laude“ zum Dr. med. promoviert.

Entlassung und nochmaliger Einsatz beim Militär

Im April 1919 bat Mohr um Entlassung aus der Armee und erhob Versorgungsansprüche. Die Entlassung wurde rückwirkend zum 31.3. gewährt. Ab Mai 1919 ist eine Tätigkeit Mohrs als Regimentsleutnant-Arzt beim Dragoner-Regiment Nr. 8 belegt, schon am 1.7. gab er jedoch in einem Brief an, nicht mehr im Regiment tätig zu sein.  Das Regiment war an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik nicht unmittelbar beteiligt, leistete jedoch Hilfsdienste hinter den Linien. Im August 1919 wurde Mohr aufgrund dieser erneuten Dienstzeit zum Oberarzt ernannt.

Weitere ärztliche Tätigkeit

Mohr betrieb weiterhin seine Arztpraxis, nebenher verfasste er gemeinsam mit dem praktischen Arzt Dr. E. Singer, dessen Identität ungeklärt ist, die Rheumatiker-Fibel, seine 2. medizinische Schrift, die 1921 erschien und mehrere Auflagen erlebte.

Heirat, Umzug in die Wolfsgrub

Mohr in der Wolfsgrub

Mohr in der Wolfsgrub

Am 20.3. 1920 heiratete Mohr in Hamburg Käthe Westphal, eine aus einer Kaufmannsfamilie stammende Protestantin. Gemeinsam zogen sie in die Wolfsgrub, einen Hof bei Rottach am Tegernsee. Da belegt ist, dass Mohr die Wolfsgrub schon 1914 kannte, ist anzunehmen, dass die Initiative zum Umzug von ihm ausging. Am 26.4. 1920 erfolgte die Abmeldung in München. Damit ging wohl auch Mohrs ärztliche Tätigkeit in München zu Ende, obwohl er bis 1922 in Münchener Adressbüchern als praktizierender Arzt geführt wurde.

Berufliche Umorientierung

Mit dem Umzug in die Wolfsgrub war eine berufliche Neuorientierung verbunden. Mohr wollte sich nun auf seine Karriere als Literat konzentrieren. Drei Berlin-Aufenthalte 1920 und 1921 dienten wohl der Förderung entsprechender Aktivitäten. In der Wolfsgrub war Mohr faktisch nur in geringem Umfang als Arzt tätig, obwohl er dies für Käthes Verwandte simulierte und in autobiographischen Auskünften erklärte, nebenbei als Arzt gearbeitet zu haben. Auch seine in der Folgezeit verfassten literarischen Werke weisen nur partiell medizinische Bezüge auf.