Romane (1)

Venus in den Fischen

Schon 1920 hatte sich Mohr mit Frau Marie’s Gast im Romangenre versucht, war damit aber erfolglos geblieben. 1928 erschien bei Ullstein in Berlin der Roman Venus in den Fischen, nachdem er zunächst 1927 in der Zeitschrift Die Dame in Fortsetzungen abgedruckt worden war. Damit hoffte Mohr den Erfolg zurückzuholen, der ihm früher im Theatergenre vergönnt gewesen war.

Titelseite von Venus in den Fischen

Titelseite von Venus in den Fischen

Inhalt

Venus in den Fischen ist eine im ärztlichen Milieu spielende Gesellschaftssatire. Ein Ärztepaar und ein Astronom eröffnen zusammen ein Luxussanatorium, um die Upper Class Berlins mithilfe astrologisch-medizinischer Methoden zu behandeln. Die lukrative Quacksalberei fliegt auf, der Astronom tötet im Affekt einen Patienten und muss fliehen. Das Ärztepaar trennt sich, findet aber dann in ländlicher Umgebung wieder zusammen. In diesem Werk kommt der Position der Frau in der damaligen Gesellschaft eine Schlüsselrolle zu. Mohr zeichnet das Bild einer starken, autonomen Frau, der die Männerwelt unterlegen ist. Es ist dies ein Motiv, das er auch in weiteren Romanen verwendet. Außerdem stellt Mohr, wie bereits in seinen Dramen, ein vom Materialismus bestimmtes, unheilvolles Leben in der anonymen Großstadt einem harmonischen, glücklichen Leben in der ländlichen Natur gegenüber.

Rezeption

Von der Kritik wurde der Roman – der keiner der literarischen Strömungen der Zeit exakt zuzuordnen ist und am ehesten noch der Neuen Sachlichkeit nahesteht – überwiegend freundlich aufgenommen. Allerdings gab es nur wenige Besprechungen im Feuilleton. Mohrs Freund D.H. Lawrence gefiel der Roman dagegen nicht, wie aus einem Brief vom 22.3. 1928 hervorgeht (Original englisch): „Sie interessieren sich nicht wirklich für die Leute, es ist Ihnen egal, was sie sind, in ihrem Innern. Sie interessieren sich nur für ihre „Figur“ im amerikanischen oder italienischen Sinn – dafür was sie wert sind oder wie sie aussehen. D.h. Sie schreiben Romane, als ob Ihre Figuren Marionetten wären (…)“ Auch der Erfolg beim Publikum hielt sich in Grenzen.

Einen Auszug aus dem Roman finden Sie als PDF auf der Seite Materialien.

Titelseite von Die Heidin

Titelseite von Die Heidin

Die Heidin

Mohrs nächster Roman, Die Heidin (1929), ermöglicht einen Blick auf seine religiösen – bzw. spirituellen – Vorstellungen. Vor allem in der zweiten Hälfte des Romans entfaltet Mohr ein heidnisches, an vitalistische und biologistische Strömungen angelehntes Weltbild, in dessen Zentrum ein mythisches matriarchalisches System steht. Heidnische Vorstellungen verfolgten zu dieser Zeit auch die Nationalsozialisten, das Buch könnte jedoch kaum weiter von deren Vorstellungen entfernt sein und wurde folglich 1938 verboten. Am ehesten kann man es zu bestimmten Tendenzen zeitgenössischer Autoren wie Hans Henny Jahnn (1894-1959) in Beziehung setzen. Berührungspunkte gibt es außerdem auch  zu Mohrs Freund D.H. Lawrence, in dessen Werken starke und instinktsichere Frauen ebenso wie eine kraftvolle, mythische Natur immer wieder eine Rolle spielen.