Theater (1)

Frühe Versuche

Schon 1915 hatte Mohr mit Prinz Assad, Die Propheten und Revolution der Schönheit drei Trauerspiele verfasst, die jedoch alle nicht veröffentlicht wurden und nur als Manuskripte im Nachlass erhalten sind. Anfang der 20er Jahre gelang es ihm dann, im Verlag Erich Reiss, Berlin, die Komödie Die Dadakratie und die Tragödie Gregor Rosso zu veröffentlichen, allerdings ohne dass diese Stücke aufgeführt wurden.

Titelblatt der Improvisationen im Juni

Titelblatt der Improvisationen im Juni

Improvisationen im Juni

Ein großer Erfolg

1922 wurde dann jedoch die Komödie Improvisationen im Juni zum großen Erfolg. Das Stück wurde im März 1922 im Münchner Residenztheater uraufgeführt und triumphal aufgenommen. Mohr konnte bei der Erstaufführung allerdings nicht zugegen sein, da er auf einer Alpentour starke Erfrierungen an beiden Füßen erlitten hatte und über Monate in der Wolfsgrub das Bett hüten musste. Die Begeisterung vereinte Publikum und Kritik. Bis Ende 1923 wurde das Stück in 40 Theatern in ganz Deutschland gespielt und im Februar 1923 auch am Deutschen Theater in Berlin aufgeführt, wo der auch heute noch bekannte Schauspieler Heinrich George (der Vater von Götz George) eine der Hauptrollen übernahm.

Das Stück

Mohr und Heinrich George

Mohr und Heinrich George

In den Improvisationen im Juni geht es im Kern um die Frage, in welchem Verhältnis Glück und Reichtum zueinander stehen und darum, ob eine von Geld bestimmte Gesellschaft immaterielle Werte nötig hat. Die rein materiell orientierte Position wird durch den amerikanischen Milliardär Mill vertreten, der ein Schloss in Europa erwirbt. Dessen Sohn ist mit den Ansichten seiners Vaters nicht einverstanden und lustlos-apathisch. Der Kauf des Schlosses und das Engagement eines clownesk auftretenden „Improvisators“ namens Adam Zappe soll der Trübsal des Sohnes entgegenwirken. Die Gegenposition zum Milliardär nimmt der Tierwärter und ehemalige Offizier Tomkinow ein, der moralische Grundsätze über den Materialismus stellt und damit letztlich die dem Stück vorangestellte These „Europa ist tot! Es lebe der Europäer“ verkörpert. Die Problematik wird auf leichte und immer wieder sehr witzige Art und Weise präsentiert, insbesondere der Improvisator, der am Deutschen Theater von Heinrich George verkörpert wurde, bringt Witzmomente in die Handlung ein, sodass das Stück den Untertitel „Komödie“ zu Recht trägt. Gleichzeitig bietet es aber auch zu ernsthaften Reflexionen über moralische Fragen Anlass. Am Ende wird der Sohn Mills durch Tomkinow und Olga, die Tochter des Improvisators, aus seiner Melancholie geholt.

Einen Auszug aus dem Stück finden Sie als PDF auf der Seite Materialien.

Das gelbe Zelt, Erstausgabe

Das gelbe Zelt, Erstausgabe

Weitere Stücke

Das gelbe Zelt

Mohrs nächstes Stück, Das gelbe Zelt (1923), ist von der Thematik und dem Künstlermilieu in dem diese Tragödie spielt her den Improvisationen teilweise verwandt. Es geht um die Tänzerin Xenia Lanty, die sich der Welt zu entziehen sucht, von dem uneigennützigen Akrobaten Igor bewundert und auch vom Impresario Leon Tissac und dem Fürsten Gilpin umschwärmt wird. Igor, der aufgrund einer Äußerung Gilpins vermutet, dass Tissac Xenia wegen eines Verbrechens anzeigen werde, tötet Tissac. Die Tat ist Katalysator für das Zurückfinden Xenias in die Welt und zu Gilpin.

Sirill am Wrack

Erstausgabe von Sirill am Wrack

Erstausgabe von Sirill am Wrack

Auch in Sirill am Wrack sind Anklänge an die Improvisationen zu spüren. Mohr übt erneut Zeitkritik und bringt viele ihm wichtige Punkte gleichzeitig zur Sprache. Neben den aus den vorherigen Dramen bekannten Thematiken Geld vs. Moral und Lüge vs. Aufrichtigkeit, skizziert Mohr diesmal außerdem einen Konflikt zwischen Jugend und Alter. Drei Studenten kommen auf das Landgut des Ingenieurs Arkadi, durch dessen Maschinen zahlreiche Menschen ums Leben gekommen sind. Sirill, einer der Studenten, hatte eine Beziehung zu Arkadis Tochter Nelly, die von ihm gesucht und verdient werden will. Das geschieht. Arkadi sieht sich schließlich zunehmend als Hindernis für eine erfüllte Zukunft der Jugend an und wählt den Freitod. Ein symbolischer Sieg der Jugend über die alte, verkrustete Gesellschaft der Zeit.

Der Arbeiter Esau

Im nur kurz nach dem Sirill uraufgeführten Stück Der Arbeiter Esau (1923) geht es um drei Straßenarbeiter, die in einem naturnahen Tal leben und mithilfe von Inseraten wohlhabende Großstädter ins Tal locken, um sich an ihnen zu bereichern. Auch in diesem Stück bietet die Hauptfigur einer Scheinmoral aus Macht- und Geldversessenheit die Stirn. Die Fabel ist Anlass zu einer Satire auf die esoterischen Züge der Verehrung des bengalischen Literaturnobelpreisträgers Rabindranath Tagore (1861-1941) und Rudolf Steiners (1861-1925), des Begründers der Anthroposophie, sowie des Geschichtsphilosophen Oswald Spengler (1880-1936).

Die Karawane

Titelseite von Die Karawane

Titelseite von Die Karawane

Das 1924 uraufgeführte Stück Die Karawane spielt am Rande der Wüste.

Garilan, die Hauptperson des Stückes, ist ein vermögender Kaufmann, der seine Geschäfte bereits seit längerer Zeit ruhen lässt, um auf unzähligen Reisen rund um die Welt sein Glück zu suchen. Glück und Zufriedenheit kann er nämlich trotz seines Reichtums nicht empfinden. Eine tiefe Melancholie und Lebensunmut plagen ihn, wie bereits Jan Mill, den Milliardärssohn aus den Improvisationen im Juni. Er gerät in die Fänge des Betrügers Sandmann, der an ihm verdienen will und ihn beinahe auf einer schlecht organisierten Wüstentour ums Leben bringt. Doch anstatt sich Wut und Rache hinzugeben, entdeckt Garilan gerade im Angesicht des enttarnten Betrügers wahre Erfüllung im Leben durch unbedingte Nächstenliebe und gegenseitiger Hilfe. Erneut redet Mohr einer Suche nach Glück im Leben das Wort, das sich nicht auf materialistischen Irrwegen finden lässt.

Rezeption

Die Stücke nach den Improvisationen wurden von der Kritik verhalten bis negativ aufgenommen. Man warf Mohr vor, er variiere letztlich Motive und Thematiken, die schon in den Improvisationen im Juni enthalten gewesen seien. Dem entsprach ein zunehmend ausbleibender Erfolg. Zwar wurden alle Stücke aufgeführt, kamen jedoch über Aufführungen auf nur wenigen Bühnen nicht hinaus. Dem entsprachen deutlich zurückgehende Einnahmen Mohrs.