Theater (2)

Ramper

Erstausgabe von Ramper

Erstausgabe von Ramper

An den Erfolg der Improvisationen im Juni konnte Mohr erst im Jahre 1925 mit dem Schauspiel Ramper anknüpfen.

Inhalt

Im Zentrum des Stücks steht der Flieger Ramper, der nach einer missglückten Grönland-Expedition allein im ewigen Eis überleben muss und durch jahrelange Isolation in der Einöde zum Tier degeneriert. Er wird gerettet und in einem Variété als Attraktion ausgestellt, bevor sich ein schillernder Arzt seiner annimmt und ihn aus seinem Dämmerzustand erlöst. Ramper sieht seine Erlösung jedoch nicht als solche an, sondern möchte Tiermensch bleiben und nach Grönland zurückkehren. Schließlich findet er aber über die Liebe zu einer Frau in die menschliche Gemeinschaft zurück.

Interpretation

Mohr greift hier – wie schon in den Improvisationen – eine in seiner Zeit weit verbreitete Zivilisationskritik auf. Die von Materialismus geprägte Gesellschaft steht einem idealisierten Naturzustand gegenüber. Letztlich geht es vor dem Hintergrund des Gegensatzes Natur – Zivilisation um die Frage, was das Menschsein ausmacht. Wie schon in den Improvisationen weist Mohr auch hier der Liebe als höchster Form des Zwischenmenschlichen eine wichtige Rolle zu. Eine von Materialismus freie Menschenliebe soll die Erlösung bringen und wird von Mohr im Sinne einer neuen Religiosität interpretiert. In einem Programmheft für das Dresdner Schauspielhaus schrieb er dazu: „Ein neuer Lebensstil wird religiös sein müssen. Wahre Religiosität kennt keine Konflikte. Das Drama kann nur von Religiosität leben. Doch das Drama kann auch nur durch Konflikte körperlichster Art leben. Wie nun? Das neue Drama wird voller Konflikte sein, denn es ist ein Spiel. Aber diese Konflikte werden nicht um ihrer selbst willen gespielt werden, sondern der neuen Religion und richtungslosen Dynamik ihrer Träger zuliebe.“

Rezeption

Titelseite der Platingruben in Tulpin

Titelseite der Platingruben in Tulpin

Ramper war ein großer Erfolg. Der berühmte Schauspieler Paul Wegener übernahm die Titelrolle bei der Erstaufführung des Stückes am Deutschen Theater in Berlin und begab sich anschließend auf eine erfolgreiche Ramper-Gastspieltournee durch ganz Deutschland. 1927 wurde es unter der Regie von Curt Braun auch verfilmt. Für den Hörfunk wurde eine englische Übersetzung angefertigt. Unter dem Titel Rampa wurde das Stück in London und New York gespielt. Ramper ist außerdem das einzige Stück Mohrs, das nach der Weimarer Zeit Wiederaufführungen erlebte (in den 1990er Jahren).

Einen Auszug aus dem Stück finden Sie als PDF auf der Seite Materialien.

Weitere Stücke

In den Folgejahren wurden drei weitere Stücke Mohrs aufgeführt: Platingruben in Tulpin (1926), die Generationenkomödie Die Welt der Enkel (oder: Philemon und Baucis in der Valepp) (1930) und das Volksstück Der Kalteisergeist (1931). Alle drei Dramen stießen weder bei der Theaterkritik noch beim Publikum auf größere Resonanz. Mohr glaubte deshalb, auf dem Theater nicht mehr reüssieren zu können und wandte sich in der Folge überwiegend dem Schreiben von Romanen zu.